Klaus Wüsthoff (*1922)

Eigentlich sollte Klaus Wüsthoff (*1922) "Klaus Herzfeld" heißen. Da das aber im aufkommenden Nationalsozialismus "zu jüdisch" klingt, lässt der Vater seine Kontakte spielen und die Familie nennt sich fortan "Wüsthoff" - nach der Großmutter. Klaus Wüsthoff spricht von seiner durch den 1.Weltkrieg geprägten Kindheit, über das Wesen seiner Kreativität und wie er schon früh eine enge und lebensentscheidende Beziehung zur Musik einging.

 

Musikalität

"Mein Vater hatte ein Streichquartett und die spielten so furchtbar falsch, ja, also wirklich. Wir sind immer geflohen, meine Schwester und ich. Die haben Haydn-Quartette gespielt, das war denen vollkommen Wurst, wie das klang. Übrigens waren die alle jüdisch, mein Vater war nicht-jüdisch, aber alle anderen waren jüdisch. Da war einer der hieß Dr.Oettinger und dann war einer, der hieß Franke und einer hieß Sevin." 

Erziehung zum Krieg

"Mein Gott, meine Jugend. Bis zum 27. Lebensjahr ist alles durch die 4 Jahre vor meiner Geburt - das Ende des 1.Weltkrieges - bestimmt. Wir haben als Kinder immer Krieg gespielt. Weil gesagt wurde, es gab diese "Dolchstoßlegende." (...) Wir haben im Garten, da hat mein Vater uns Bunker mit ausheben geholfen, wir haben Schützengräben im Garten gehabt."

Dreiklang

"Meine erste, meine allererste Erinnerung: ich stehe am Klavier - am Flügel natürlich - und probiere da oben die Tasten. Und muss wohl zufällig einen verminderten Dreiklang erwischt haben. Und mit meine Mutter hatte mir vom Christkind erzählt und da sagte ich: "Das ist das Christkind, das ist das Christkind." (...) Und das hat mir den Grundstein gelegt für diese Verbindung zur Musik."