Walter Kaufmann (*1924)

"Da ist die Fensterbank in der Kellerwohnung der Mulackstraße, ein Mietshaus, unendlich hoch für den Dreijährigen, der Jitzchak heißt, auch Sally, und am 19.Januar 1924 geboren wird." So beginnt Walter Kaufmann (*1924) seinen "Versuch, über meine Mutter nachzudenken". Als Dreijähriger wird Kaufmann adoptiert und wächst fortan in Duisburg als Sohn eines jüdischen Rechtsanwaltes auf. Walter Kaufmann berichtet von seinem liebevollen Elternhaus, von Rassenkunde in der Schule, der Zerstörung der elterlichen Wohnung während der Pogrome 1938 durch die SS und schließlich von Flucht und Exil in Australien, dem Tod seiner Eltern, warum er nach dem Krieg nach Berlin zurückkehrte und von der Suche nach Spuren seiner leiblichen Mutter.

Ein ganz neues Leben

"Ich bin nach Hause gekommen und habe erlebt, dass mein Vater von der Gestapo verhaftet wurde und kurze Zeit später, wie unser Haus von der SS gestürmt wurde und alles zertrümmert wurde, was in dem Haus nicht Niet-und Nagelfest war. Meine Mutter und ich saßen im Keller, wurden von der SS in den Keller gejagt, während über uns die Möbel zertrümmert wurden."

Gefangenenschiff

"Ich bin mit 16 auf ein Gefangenenschiff geraten. Ich bin interniert worden in England - ganz irrsinniger Weise - mit 2500 anderen, auf einem Schiff, auf dem 500 Leute Platz hatten und wir mit 2500 Menschen 2 Monate lang auf langer Fahrt nach Australien waren. Zusammengepfercht  wie Stückgut. Haben wir alles überlebt, habe ich überlegt, haben alle überlebt. Wir haben Glück gehabt, dass wir nicht torpedot wurden."

Mit dem Leben davon

"Ich kann sagen, ich fühle mich nicht als Verfolgter, ich fühle mich nicht als Opfer, ich fühle mich als sehr beglückt durch die Umstände im Leben. Beglückt in dem Sinne, dass ich immer mit dem Leben davon gekommen bin. Nicht nur im Krieg, sondern auch danach. (...) Ich habe immer Glück gehabt."