Renate Juliusburger (*1935)

Renate Juliusburger (*1935) lebt noch heute in der Wohnung ihrer Geburt in der Dolziger Straße im Samariter-Kiez in Friedrichshain. Sie berichtet von den harten, aber feierfreudigen Nachkriegsjahren und vom langsamen Wandel der Straße. Später wird sie - nach einem Umweg als Republikflüchtige und ihrer Rückkehr in die DDR - Programmiererin für den Robotron 300. 

 

Nachkriegstango

"Nach dem Krieg die ersten Jahre, die Leute waren ja nicht nur hungrig nach essen, die waren auch hungrig nach feiern, nach fröhlich sein und Musik und tanzen. Und es gab ja keine Einrichtung, wo sie hätten hingehen können."

Zurück in die DDR

"Ich bin zurück in die DDR, denn ich hatte einfach Heimweh. Ich musste dann einen Bericht schreiben, wie es mir in West-Deutschland ergangen ist. Da habe ich dann ein wenig gemogelt und nicht geschrieben, dass ich aus Heimweh zurück komme, sondern "ich habe erkannt, dass in der DDR eben doch die Zukunft liegt".

Mit ner Brille!

"Ich hatte ziemliche Minderwertigkeitskom-plexe: "Eene mit ner Brille - mein letzter Wille!" Das hat mich in der Jugendzeit sehr belastet. Irgendwann habe ich mir gesagt: "Für mich hat sich´s erledigt, mich will sowieso keiner. Heiraten wirste nie, du musst für dich jetzt sorgen, dass du mal eine anständige Rente hast." Dann fand sich aber doch jemand, der mich geheiratet hat, der Herr Juliusburger!"