Kerstin Sanke (*1973, Ost)

Kerstin Sanke (*1973): "Wo mein Vater noch gelebt hat, war Friede, Freude, Eierkuchen. Allet schön, wie man sich die Kindheit vorstellt. Nur mit dem Unterschied, dass wir zu DDR-Zeiten - was ja nicht Standart war - Vergünstigungen hatten. Vergünstigungen in dem Sinne, dass mein Vater öfters was vom Westen mitgebracht hat." Als ihr Vater stirbt erhält ihre Kindheit eine nachhaltige Wendung.

Kindesentführung

"Ich bin 10 Tage nach Vaters Tod zur dieser Telefonzelle, wollte meine Tante anrufen und ihr sagen, wann die Beerdigung stattfindet. (...) Und genau dieser Polizist hat mich aus der Telefonzelle gezerrt, hat mir Handschellen angelegt - ick war 11 Jahre - hat mich ins Polizeiauto gesetzt und zur Polizei gebracht. Und ab da ist dann eigentlich meine Heimzeit losgegangen."

Dunkelhaft

"Und dann haben sie mich nach zwei Wochen rausgeholt!

Das ist der Wahnsinn gewesen. Im Keller war dieser Dunkelhaftraum. Direkt um die Ecke, da konntest du raus gehen in den Hof. Da haben sie mich aus der Dunkelhaft rausgeholt, aus dem dunklen Raum und reingestellt in die brechende Sonne."

Alles leuchtet

"Dann hab` ick mir erstmal West-Berlin angekiekt, weil habe ich ja noch nie gesehen, alles leuchtet. Erstes mal Linie 1 gefahren, Wahnsinn, hab ich ja den ganzen Kino-Film gesehen zu DDR-Zeiten. Von Anfangsstation bis Ende, habe die Punks gesucht, hab keine Punks gesehen. Und mich gewundert, was ist denn hier los?"