Auf einen meiner Aushänge "Berliner Kindheiten gesucht" meldete sich Juliane Winkler (*1978) bei mir und schrieb:  "Ich hätte meine ganze Familie  anzubieten. Meinen Mann, dessen Eltern, seine Großmutter und unsere Kinder. Wir sind alle in Berlin aufgewachsen." Auf diese Weise kam ich in Kontakt mit der Familie Winkler-Rühmann, deren verschiedene Angehörige in den nächsten Wochen hier in unregelmäßiger Reihenfolge auftauchen werden.

 

Juliane Winkler wächst in einer - wie man heute sagen würde - kinderreichen Patchwork-Familie im Prenzlauer Berg. Lange Zeit fühlt sie sich dort als "Aschenputtel", wird aber später, wie sie sagt, "eine sehr aufrechte Sozialistin". Sie berichtet vom roten Tuch der Pioniere, dem Thälmannpark und ihrem Wunsch "einmal Kathi Witt sein zu dürfen". 

 

1978 geboren spielt die "Wende" in ihrer Kindheit eine zentrale Rolle, viel sie doch unmittelbar mit der Pubertät und dem Drang nach Freiheit zusammen. Juliane Winkler berichtet, wie sie voller Stolz an den Anti-Irak-Kriegs-Demonstrationen der Nachwendezeit teilnahm. "Ich fühlte mich unglaublich stark und wichtig. Wir hatten Situationen im Unterricht, wo wir einfach aus dem Unterricht gegangen sind. Und dann schrie da eine Lehrerin und wir sagten zu ihr: "Frau Schäfer, sie dürfen uns jetzt nicht mehr anschreien."