Hildegard Franke (*1915) berichtet aus ihrem 104jährigen Leben, von ihrer Kindheit in Waidmannslust, einer wenig liebevollen Mutter und einem sehr liebevollen Stiefvater, von dessen Stiefvaterschaft sie aber erst viel später erfährt. Hildegard Franke erzählt von ihrer Lehre in der Konfektion bei Guggenheim, ihrer glücklichen, fast 70jährigen Ehe und wie sie nachts oft wach liegt und über die Wörter nachdenkt, die ihr bei Tage nicht mehr einfallen. 

Lockeres Mädchen

"Meine Mutter war ein lockeres Mädchen, die hat immer Liebhaber gehabt. Und dabei habe ich sie auch erwischt. Wie ich mit meinem ersten Freund abends spazieren ging, da ist sie mir begegnet mit einem fremden Mann." 

 

"Haben sie das ihrem Vater gesagt?" 

 

"Nein, aber er hat das gewusst, dass sie nicht treu war. (...) Aber meine Mutter hat sich nicht viel um mich gekümmert." 

 

Mein Fritze

"Als ich in der Konfektion war, da bin ich mit der Straßenbahn immer zur Seestraße gefahren und von da in die U-Bahn bis Kochstraße und da habe ich den kennengelernt. Ein hübscher Mann war das! Der hatte einen Freund und der war später  dann mein Fritze! Der hat sich da aber noch nicht für mich interessiert, sondern für eine andere, mit der er damals gegangen ist. Aber sein Freund hat organisiert, dass wir zusammen segeln sind und da sind wir doch zusammen gekommen." 

Aber nachts

„Was war denn noch alles? In den 104 Jahren ist soviel auf einen eingestürmt, da lässt bei mir jetzt das Gedächtnis sowieso nach.  Ich weiß oftmals nicht, wie heisst jetzt das Wort? Was meinen Sie wie oft mir das passiert? Aber nachts, wenn ich wach bin, da grübele ich oft und dann fällt es mir auf einmal ein!“