Otto Korn (*1933)

Otto Korn (*1933) ist ein "Laubenpieper". Als jüngstes von 8 Geschwistern wächst er in einer einfachen "Bretterbude" in Schildow auf. Er berichtet, wie er und sein Bruder sich gemeinsam mit einem Nachbarn einen eigenen Bunker im Garten anlegen, von Fallschirmspringern in der Nacht,  vom Einmarsch der russischen Truppen und den harten Jahren zwischen 1945 und 1948, "da gab es gar nichts mehr." 

Fallschirme

"Wenn wir von den Lauben bis nach Blankenfelde in die Schule gegangen sind, das waren 3km. Wenn  Fliegeralarm war und wir auf der Hälfte waren, war die Frage: ist man nach der Schule gerannt oder man ist nach Hause gerannt? Wir haben sehr wenig Schule gehabt. Ich wundere mich, dass ich überhaupt lesen und schrieben kann, da wundere ich mich drüber."

Deutsche Paninka

"Wir haben die Soldaten immer gefragt, ob noch was zu Essen übrig ist. "Ja," haben die gesagt, "aber ohne Arbeit kein Essen." Dann mussten wir im Kreis marschieren. Die haben uns eine kleine Papierfahne gebastelt und wir waren mal 5, mal 6 Jungs, und dann mussten wir im Kreis marschieren und singen "Deutsche Paninka, russisch Kamerad, ficki ficki, eine Schokolad." Das mussten wir singen, eine halbe Stunde lang und dann haben sie uns zu essen gegeben."

Kuss auf die Wange

"Das haben die doch immer gebracht, wie die junge Frau dem Polizisten einen Kuss auf die Wange gibt! Das war meine Sache gewesen, das habe ich eingefädelt, aber den Kuss hat der gekriegt. Da bin ich hingegangen und da hat ne junge Frau da gestanden und hat geweent und hat gesagt, sie will zu ihrer Mutter. Da bin ich zu ihm hingegangen und habe ihm gesagt: „Mensch, hast du denn keen Herz? Nu lass doch mal die Kleene rüber gehen bei ihrer Mutter!“

 


Renate von Au (*1933)

"Ich heiße Renate von Au und bin 1933 geboren. Ich habe meine ganze Kindheit und Jugend in einer 11/2 Zimmer Wohnung im Prenzlauer Berg verbracht." Renate von Aus (*1933) Kindheit ist geprägt durch die Nazi-Zeit und den 2.Weltkrieg. Sie erlebt schon früh Tote und Hungersnot, den Umgang mit "Volksverrätern" und schließlich die letzten Kriegstage im zerstörten Berlin.

Brandbomben

"Meine Eltern mussten uns mitten in der Nacht wecken und in den Keller bringen. (...)

Ich hatte große Angst vor den Sprengbomben. Brandbomben und Sprengbomben hörten sich verschieden an. Ich entsinne mich, dass ich den Kopf zwischen die Oberschenkel meiner Mutter steckte, weil ich so große Angst hatte." 

Ein totes Pferd

"Ein totes Pferd, das lag in Kriegszeiten bei uns auf dem Damm. Und ich weiß noch, aus allen Ecken und Kellern kamen Frauen mit Aluminiumschüsseln und haben an dem Pferd rumgesäbelt und im Nu lag dort nur noch ein Skelett." 

Kriegsende

"Ich wusste nicht, was das ist, aber ich dachte, das wird so eine Art Ringkampf sein. Die kamen dann und haben die Frauen hinter sich her geschleift. Da war ein behinderter Mann, der konnte seiner Frau nicht helfen, der hat bitterlich geweint und seine Frau hat ihn im rausziehen getröstet, das das ja nicht so schlimm sei, sie käme ja wieder."