Gudrun Striebeck (*1944, Ost/West)

Gudrun Striebeck (*1944) wächst mit ihrer Mutter und Großmutter auf, genauer: ihren beiden Großmüttern. Die ersten 7 Jahre lebt der Damenhaushalt in der Schönhauser Allee, dann siedeln sie nach Schöneberg über und Gudrun wird eine Pendlerin zwischen Ost und West. Gudrun Striebeck berichtet von Wohnungen mit Ratten und fehlenden Wänden, ihrer Faszination für die "Pioniere" und dem Kampf mit der Volkspolizei um ihre Geburtstagstorte.

Möbelwagen

"Meine Großmutter kam erst ein Jahr - wir sind 1952 nach Schöneberg gezogen, und meine Großmutter kam erst nach, ´53. Und das fand ich ganz toll, dass sie mit dem Möbelwagen durch das Branden-burger Tor gefahren ist. Da habe ich sie so beneidet. Das hätte ich ganz ganz gerne auch mitgemacht. Und dann waren wir wieder zu dritt."

Tortenschlacht

"Zu einem meiner Geburtstage bin ich mit meiner Oma zur Schönhauser Allee gegangen und meine andere Oma, die Bäckeroma, hatte mir eine Torte gemacht und die wollte ich abholen. (...) Aber wir wurden von der Volkspolizei in ein Häuschen gerufen und jetzt wollten die sehen, "was ist in diesem Karton?" Und dann wollten die mir die Torte wegnehmen!"

 

Streberin

"Pionier wäre ich ja gerne gewesen, ein blaues Tuch hatte ich nicht, da habe ich ein rotes genommen und das habe ich zuhause immer getragen, ich hatte eine kleine Kindertrommel und dann bin ich mit dem Tuch und der Trommel durch die Wohnung gegangen und habe gesungen: "Wach auf, wach auf, freie deutsche Jugend." Das fand ich toll!"

 


Michael Berg (*1944, West)

Michael Berg (*1944) wird nach einem Bombenangriff von seiner (künftigen) Stiefmutter aus den Trümmern geborgen.  Michael wird unter dem Diktum des Vaters "Brauchste das oder willste das?" schon früh selbstständig und verdient sich sein Geld u.a. im nahegelegenen Posamenten-Geschäft. Mit nicht ganz 18 Jahren beteiligt er sich später am Schmuggel von Ost-Berlinern nach West-Berlin. Die ganze Sache fliegt auf und er wird in Abwesenheit zu 3 Jahren Haft verurteilt, Ost-Berlin kann er fortan nicht mehr betreten. Aber er hat ohnehin andere Pläne und verdingt sich als Matrose auf allen Weltmeeren. Nach vielen Jahren lebt Kapitän zur See a.D. Michael Berg heute wieder in Schöneberg, dem Kiez seiner Kindheit.