Marie-Luise Gericke (*1925)

"Was kann man schon über sich sagen? Ich war eine freche Berliner Göre. Und das ich Berlinerin war, das hat mir im Leben später sehr geholfen. Das würde man wohl sagen, dass ich eine höhere Tochter geworden wäre, aus einer herrschaftlichen Familie. Aber durch den Krieg hat sich das alles sehr geändert." Die Geschichte von Marie-Luise Gericke (*1925) ist auch die wechselhafte Geschichte der herrschaftlichen Villa ihrer Stiefgroßeltern am Griebnitzsee, in der sie die Sommer verbrachte und in der später unter anderem Churchill während der Potsdamer Konferenz wohnte. 

Haus am Griebnitzsee

"Im Winter hatten wir immer die Wohnung in der Stadt und im Sommer immer sind wir zu den Großeltern gezogen in das große schöne Haus in Babelsberg, das später noch eine Bedeutung hatte. Das war eine wunderschöne Villa die 1925 gebaut wurde von Mies van der Rohe. Dadrin hat später Churchill während der Potsdamer Konferenz gewohnt und ich habe dort das Kriegsende verbracht."

Beschlagnahmt

"Nachts um zwölf hat es wieder einmal an der Tür gepoltert, es waren russische Offiziere und mit einer Taschen-lampe leuchteten die das Haus aus und suchten immer große Räume. Am nächsten Morgen kam - das muss wohl Bersarin gewesen sein - und der sagte: "Es tut uns Leid, sie müssen dieses Haus verlassen. Sie dürfen nur einen Koffer mitnehmen. Sie haben unser Ehrenwort, dass sie nach 8 Wochen zurückkommen dürfen." Diese 8 Wochen haben dann 45 Jahre gedauert."

Vergrabenes Geld

"Wir hatten unser Geld vergraben und haben vergessen es mitzu-nehmen als wir raus mussten. Und das fiel uns eines Tages wieder ein. Das war ein paar Tage nach der Beschlagnahme, die Russen waren noch nicht eingezogen und da haben wir uns von Freunden ein Boot geliehen und sind von hinten an unser Bootshaus rangefahren und haben uns durch das Gebüsch heran-geschlichen." 



Peter Neuhof (*1925)

"Mein Name ist Peter Neuhof, geboren am 30.Juli 1925, ich bin also ein ziemlich alter Mann. Meine Eltern wohnten in Frohnau und ich somit auch und seitdem bin ich ein Frohnauer. Und relativ, der Kopf ist in Ordnung, die Beine naja, aber das sieht man nicht, das hört man nicht, das spürt man nur." Peter Neuhof (*1925) erzählt, wie er als Sohn jüdisch-kommunistischer Eltern die Nazi-Zeit nach der Verhaftung seiner Eltern mit Glück, Chuzpe und Unterstützung vieler Freunde überlebte. 

Bis die Grenze zu ging

"Wir hatten Verwandte, die sind ausgewandert nach Südfrankreich nach Toulouse und haben uns immer geschrieben, ich habe die Briefe heute noch: "Wann kommt ihr endlich? Wie lange wollte ihr noch warten? Denkt an Peter!" Meine Eltern haben immer noch gewartet und gezögert und haben so lange gewartet, bis die Grenzen zu waren."

Verhaftung der Eltern

"Durch Verrat ist das bekannt geworden und am 9.Februar '43, ich kam gerade von der Arbeit nach Hause und wunderte mich, die Gartentür ist offen, die Haustür ist offen, die Wohnungstür ist nur angelehnt und dann steht da einer im Ledermantel und mit Schlapphut und fragt wie aus der Pistole geschossen: "Wer ist der Mann, der bei euch wohnt?" 

Um Leben und Tod

"Ich wusste, ich sehe meine Elter nicht mehr wieder und ich wusste nicht, lassen die dich wirklich laufen? Im Nachhinein muss ich sagen, ohne mich aufwerten zu wollen, habe ich kaltblütig gehandelt. Ich wußte, es geht um Leben und Tod, die oder wir!"