Abini Herzberg (*1967, Ost)

"Ich bin Abini Herzberg und bin in Lichtenberg geboren. Meine Mama war Jüdin, mein Papa war Yorube und die haben mich beide protestantisch taufen lassen. Das empfinde ich als sehr entspannt wenn man drei Religionen in der Familie hat und keiner sagt: "Das Kind muss so werden wie ich." Abini Herzberg (*1967) erzählt u.a. von ihrer "coolen" Mutter, ihren Halbgeschwistern und ihren Erlebnissen mit der Stasi, "selbst meine Mutter wusste von mehr Halbgeschwistern als die Stasi, das fand ich sehr schwach von denen." 

Mama

"Mein ganzes Leben dreht sich um meine Mama. Die war auch ganz so, wie jüdische Mammels eben so sind: schnell besorgt, schnell aufgeregt. In kleinen Dingen sehr, sehr hektisch und in großen Dingen total gelassen. Also wenn große Entscheidungen anstan-den, war meine Mama die Coolste."

In die Haare greifen

"Es waren Kleinigkeiten, wie das die Leute einem immer ungefragt in die Haare gegriffen haben. Da war meine Mutter z.B. sehr cool. Die hat mich dann beim Bäcker auf den Arm genommen und gesagt: "So, jetzt kannste der Tante auch mal in die Haare fassen."

Milch ist Milch

"Ich habe mit einer Freundin eine Einstuf-ung gemacht beim Komitee für Unterhalt-ungskunst, als Tanz-Duo. Wenn man in der DDR auftreten wollte, musste man immer einer Pappe haben, eine Zulassung. Da ist man vor einer Jury aufgetreten und die hat einen bewertet."


Andreas (*1967, West)

"Vorweg möchte ich sagen, ich habe sehr darüber nachgedacht und ich bin der Auffassung, dass meine Art Kindheit, so wie ich sie erlebt habe, in der heutigen Zeit in so einer Großstadt eigentlich gar nicht mehr zu erleben ist."  So leitet Andreas (*1967) seine Erinnerungen ein. Er erzählt von seiner "heilen Welt Hermsdorf", seiner ersten Liebe und Schulstreichen, aber auch von seiner Abnabelung von Zuhause und dem frühen Tod seiner Mutter.

Zeit heilt alle Wunden

"Als mein Vater mich das erste mal in der Klinik gesehen hat, hinter der Glasscheibe, dachte er ich sei ein Affe. Und war der Auffassung, ich bin nicht von ihm. Da war er stinkend sauer mit meiner Mutter. Weil ich völlig behaart war, also als Frischling. Da sagte er so: "Nee!"

Erste Liebe

"Ich habe all meinen Mut genommen. Alles. Dann habe ich ihr noch ein kleines Geschenk geholt und dann hätte man ja auch 'nen Zettel schreiben können mit "Willste mit mir gehen? Ja/Nein/ Vielleicht." - Nein! Ich dachte ich bin ein toller Typ und habe auf der Klassenfahrt, wie der Deibel es will, die Andrea gefragt, "ob wir jetzt miteinander gehen wollen?"

Zollstock

"Wenn es mich erwischen sollte, nachher, und ich könnte noch den Gedanken loswerden, dann würde ich sagen: "Ja, OK. Bisschen früh, weil ich habe noch ein bisschen was vor, ich hab' da noch so ein paar Pläne.

Aber rückblickend würde ich sagen: "Ich bin zufrieden. Auf jeden Fall. Ich habe mein Leben nicht vergeudet."