André Grossmann (*1951, Ost)

"Als ich geboren wurde, gab es Besuch von meiner Ur-Großmutter Regine aus Coburg. Sie wollte sich den Stammhalter der Familie Grossmann ansehen. Ein Jahr vorher war meine Schwester geboren, mein Onkel und meine Tante hatten auch ein Mädchen geboren, Sabine, aber das waren eben nur Mädchen. Das lohnte so eine weite Reise nicht." So beginnt die Erzählung von André Grossmann (*1951), der von einer einfachen, aber freien und glücklichen Kindheit voll Grießbrei, Marmelade und Schweinskopfsülze in Hohenschönhausen berichtet. 

Die mutigste Tat

"Eines Tages wurde das Rad meiner Mutter geklaut. (...) Sie bekam aber ein paar Tage später im Konsum die Nachricht gesteckt, dass ihr Rad gesehen wurde. In der Paul-Koenig-Straße. Jetzt war es aber so, dass die Kinder da unsere Feinde waren. (...) Die waren größer und stärker und wir haben da immer Kloppe bezogen. Und ich wusste nicht, was ich machen sollte, ich hatte ja den Auftrag von meiner Mutter, das Fahrrad zu holen!"

Probleme im Betragen

"Es gab dann schulische Probleme. Irgendwas funktionierte nicht mehr so richtig. Nicht leistungsmäßig, aber disziplinarisch. Und da gab es dann schon Lehrer, die mich als Problemkind sahen. Und ich war bestimmt auch nicht leicht zu händeln. Das war bestimmt beidseitig. Und dieser Schulalltag war auch nicht so meins, ich wollte immer raus, in die Natur, in den Wald."

Wir bewirken was

"Das war für mich auch interessant zu lesen. Aber was da stand, das war nicht der Rede wert. Mein Freund Michael hat gesagt, "du hast jetzt eine "Opferakte!" Aber das ist ein Witz. Ich bin kein Opfer. Ich bin Akteur. Ich mache was. Als Künstler. Oder hier mit meiner Frau. Wir bewirken etwas, wir wollen etwas verändern und wir verändern auch was. Uns auch übrigens. Und das ist für mich entscheidend."



Gabriele Rühmann (*1951, West)

Gabriele Rühmann (*1951) ist in einfachen, beengten Verhältnissen im Wrangelkiez aufgewachsen. "Meinen Namen hat mir meine Uroma gegeben, weil sie gesagt hat: "Gabriele, das kommt vom Erzengel Gabriel, der ist so überraschend zu Maria gekommen, wie du zu deiner Mutter."

Armut & Schnitzel

"Mein Vater, den hat man eigentlich nicht beachtet. Der ging zur Arbeit, kam zurück, war müde, aber immer wenn es am ersten hieß, er kriegt Geld, da wußten wir, jetzt kriegen wir mal ein Stück Schokolade."

1 Zimmer, 6 Personen

"Ich traf mich zu Hause mit keiner Freundin. Einfach weil, wir waren 4 Kinder und hatten nachher eine Zweizimmerwohnung, da war gar kein Platz zum spielen."

Märtyrerin

"Wir sind jeden Sonntag in die Kirche gegangen und für mich war früher auch klar, irgendwann werde ich Märtyrerin. Also das war wirklich ein erstrebenswertes Ziel."